Insolvenz Hard Candy-Fitnesskette

Hard Candy Insolvenz Jopp AGÜber das Vermögen der Betreiberin der Fitnesskette Hard Candy, die Berliner Jopp AG, haben verschiedene Gläubiger Insolvenzantrag gestellt.

Unter der Jopp AG werden in Berlin 9 Hard-Candy-Studios nach dem Vorbild der Fitness-Studios der Pop-Ikone Madonna in Mailand, Moskau und Sidney geführt.

Noch Anfang Juni hieß es bei einem Interview mit den Betreiber-Brüdern Jürgen und Ralf Kopp, die Vorwürfe der Insolvenz seien Blödsinn. Das Interview kann unter www.bz-berlin.de gelesen werden.

Insolvenzverfahren Hard Candy Fitness Beschluss

Das Amtsgericht Charlottenburg (Insolvenzgericht) hat am 17. Juni RA Torsten Martini als vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt. Das sog. Insolvenzeröffnungsverfahren ist eine Art Vorverfahren bevor das eigentliche Insolvenzverfahren (in der Regel 3 Monaten, für diesen Zeitraum wird den Arbeitnehmern Insolvenzgeld von der Bundesagentur für Arbeit gezahlt) eröffnet wird.

Möglich – aber schwierig: die Abwendung des Insolvenzverfahrens

In dieser Zeit kann noch bei den Gläubigern, die Insolvenzantrag gestellt haben, erreicht werden, dass diese Anträge für erledigt erklärt werden – das kann verhandelt werden; dies wird zur Zeit offenbar versucht: Nach Meldungen der Berliner Zeitung (http://www.berliner-zeitung.de) sei nach Informationen des vorläufigen Insolvenzverwalters Torsten Martini Geld an zwei der sechs Gläubiger geflossen.

Nach meinen Erfahrungen in der Praxis bedarf eine Regulierung zur Erledigung gestellter Insolvenzanträge ein geordnetes und einheitliches Vorgehen – vor allem bei GmbHs und Aktiengesellschaften (wie hier bei der betreibenden Jopp AG): Lässt sich die Insolvenz wegen weiterer Gläubiger oder nicht zustimmender Gläubiger doch nicht vermeiden, werden sonst Drittmittel verschwendet und es droht eine Anfechtung wegen Gläubigerbevorzugung und sogar eine Durchgriffshaftung gegenüber den Vorständen (bzw. bei GmbHs gegen die Geschäftsführung).

Welche Folgen hat die Insolvenz?

Die Arbeitnehmer erhalten für die drei Monate Ihres Gehaltsausfalls Insolvenzgeld (von der Agentur für Arbeit). In einer misslichen Lage sind die offenbar in größerer Zahl in den Hard Candy tätigen Freien Mitarbeiter: sie haben keinen Anspruch auf Insolvenzgeld und können (wie andere Gläubiger auch) ihre Forderungen im eröffneten Insolvenzverfahren zur Insolvenztabelle anmelden. Die Quotenaussichten in Insolvenzverfahren liegen bei Unternehmensinsolvenzen bei durchschnittlich 0-7% und Geld gibt es erst häufig nach vielen Jahren – wenn das Verfahren abgeschlossen ist.

Daher lohnt sich ein Insolvenzverfahren erst einmal nur für den Insolvenzverwalter und die in seinem Kreise beschäftigten.

„Die Abwicklung eines Insolvenzverfahrens versorgt offenbar weitgehend und flächendeckend nur die Insolvenzverwalter und die mit ihnen verbundenen Strukturen“

Zitat Prof. Dr. Haarmeyer (ehemaliger Konkursrichter) in: Sueddeutsche Zeitung v. 14.09.2009 „Plattmachen statt Sanieren“

Damit können die Gläubiger – einschließlich der Mitarbeiter – nur hoffen, dass ein Insolvenzverfahren doch noch verhindert werden kann; dies darf nach den rigiden Vorschriften der Insolvenzordnung nur, wenn ein Insolvenzgrund (Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung) ausgeschlossen ist.

Wie verbreitet, haben die Gläubiger, die die Insolvenzanträge gestellt haben, es offenbar darauf angelegt, damit ihr Geld zu bekommen (sog. „Druckanträge“). Richtig teuer wird es aber, wenn es dann doch noch zu einem Insolvenzverfahren kommt und die erfolgten Zahlungen vom Verwalter angefochten werden. Dann bekommen diese Gläubiger nicht nur eine voraussichtlich lächerliche Insolvenzquote nach vielen Jahren, sondern müssen ihnen eigentlich zustehende Gelder zurückzahlen.

Ich werde hier bei INSOLVENZ-NEWS weiter berichten – wenn Sie beraten werden möchten, nehmen Sie gerne unverbindlich Kontakt auf:

Wirtschafts- und Insolvenzanwalt (Hamburg)

Wirtschafts- und Insolvenzanwalt (Hamburg)

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