Transparenz in Insolvenzverfahren: den Insolvenzverwaltern „auf die Finger schauen…“

Beratung Insolvenz Anwalt HamburgIn unterschiedlichsten Stadien bitten Unternehmen und Einzelunternehmer um wirtschaftsrechtliche Beratung: teilweise bereits vor Gründung eine Unternehmens oder erst dann, wenn Schwierigkeiten auftauchen. In der wirtschaftsrechtlichen Krisenberatung oder auch Insolvenzberatung reicht die zeitliche Spanne in der um anwaltliche Unterstützung gebeten wird, bis zu dem Zeitpunkt, wenn ein Antrag auf Versagung der Restschuldbefreiung gestellt worden ist.

Nach meiner Erfahrung nehmen jedoch die Fälle zu, bei denen unmittelbar nach dem ersten Kontakt mit dem Insolvenzverwalter bei Unternehmern und auch Privatpersonen der Eindruck entsteht, es wird nicht sorgfältig gearbeitet, trotz Engagements enthält ein motivierter Unternehmer keinerlei Informationen – es entsteht bei vielen betroffenen Menschen der Eindruck, dass im Massengeschäft vieler Verwalter einfach nicht sorgfältig gearbeitet wird. Dieser Eindruck ist verbunden mit der Erkenntnis, dass der Insolvenzverwalter eigene Interessen im Insolvenzverfahren hat und nicht der Berater und Freund des betroffenen Unternehmers ist.

So auch wieder in einem aktuell mir geschilderten Fall, in dem der Insolvenzverwalter seit über einem halben Jahr nicht einmal mit den Krankenkassen einer freiberuflichen Altenpflegerin abgerechnet hat. Nach den Schilderungen der Betroffenen sind die Patientenunterlagen an einen anderen Altenpfleger übergeben worden, der – so die zu überprüfende Vermutung – offenbar als Ausgleich für die eigentlich dem Insolvenzverwalter obliegende Abrechnung auf eine Erweiterung seines Kundenkreises hoffte. Ein solcher Umgang mit Patientendaten wäre natürlich nicht akzeptabel und zu verfolgen. Der gleiche Insolvenzverwalter fordert jetzt im Nachhinein pfändbare Gehaltsanteile der Betroffenen (sog. Insolvenzschuldnerin), da er die Einziehung beim (neuen) Arbeitgeber offenbar versäumt hat.

In derartigen Fällen hilft etwas, was im Allgemeinen bei Insolvenzverfahren zu wenig beachtet wird: Transparenz. Das Instrument dazu ist die Einsicht in die Akten und vor allem auch der Berichterstattung des Insolvenzverwalters. Das wird leider immer noch zu wenig in Anspruch genommen. Wenn den Verwaltern mehr auf die Finger geschaut werden würde – da bin ich mir sicher – wäre dies mit einer Qualitätssteigerung bei der Insolvenzverwaltung verbunden.
Und das ist angesichts meiner Erfahrungen und der von mir begleiteten Fälle auch im Interesse der betroffenen Unternehmer und Gläubiger sehr wünschenswert. Wünschenswert ist dies auch aus Sicht von Insolvenzrichtern, wie mir jüngst auf einer Veranstaltung mitgeteilt wurde. Hierbei ging es um das Thema „Haftung des Insolvenzverwalters„.

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